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Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im
Strafvollzug Bayern e.V. Ehrenamt-im-Strafvollzug LAG - Info Nr. 77 |
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Inhaltsverzeichnis
Auf ein Wort |
Seite
3 |
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Auf ein Wort
Liebes Mitglied, liebe Leserin, lieber Leser!
„Standpunkte“ ist heute unser Begleitthema. Diese können vielfältig sein, mein eigener Standpunkt z.B. in Meinung, Ansichten, Taten – sowie in „festen Bestandteilen“, Örtlichkeit, Objekten, Bodenhaftung. Mein eigener Standpunkt spiegelt meist meine Meinung, Einstellung zu bestimmten Handlungsweisen in meinem Sein wider. Betrachten wir ein schönes Gebäude – in der Vorderansicht ist es in einem wunderbaren Farbton angestrichen, jetzt wo wir es genau betrachten und um das Gebäude herumgehen, stellen wir fest: hinten blieb es in einem einheitlichen Grauton. Wir verändern durch das Herumgehen unseren Standort und gleichzeitig auch unseren „inneren Standpunkt“ bezogen auf die erste Meinung zu dem Haus. |
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Der Vorstandberichtet
Am 4. 7. 2011 fand in guter Atmosphäre ein Arbeitsgespräch im Justizministerium mit Herrn Ministerialrat Horst Krä statt. Anlass waren aufgelaufene, aus meiner Sicht wichtige Punkte, und in Kürze wurde uns ein Gesprächstermin angeboten. Teilgenommen hat an dem Gespräch auch Alt-Vorsitzender Norbert Merz. Die Themen waren vielseitig, z.B., die verschlechterten Besuchsregelungen insbesondere für ehrenamtliche Mitarbeiter in einigen JVAen wieder zu verbessern. Dabei habe ich auch darauf hingewiesen, wenn machbar sogenannte Abendbesuche (bis 19 Uhr) zu gestatten. Als Beispiel habe ich die JVA Landsberg genannt, wo dies möglich gemacht wird. Davon würde natürlich auch jeder andere Besucher, der berufstätig ist, profitieren. Alles hängt von der örtlichen Arbeitszeit, gesetzlichen Vorschriften (z.B. Hofgang), internen Schließvorgängen sowie Personalknappheit ab. Dennoch haben wir auf dieses Problemfeld hingewiesen. Ein weiterer wichtiger Punkt war für mich, den Finanztitel für die ehrenamtliche Betreuung wieder aufzustocken. JVAen sind teilweise weiter in Rückstand mit den Auszahlungen. Immerhin wurde aber im aktuellen Doppelhaushalt der Titel für Auslagenerstattung von zuvor 45.900,- € auf jeweils 55.000 € für 2011 und 2012 erhöht. Insbesondere wurde auch die Möglichkeit einer Beschränkung für weiter anreisende Ehrenamtliche beleuchtet, um mit dem Budget derzeit auszukommen. Ich erinnerte an München, wo einige Ehrenamtliche in Regionen fahren, die strukturell die Anzahl an Ehrenamtlichen nicht stellen können. Herr MR Krä wird sich diesem Thema nochmals widmen. Auf Anregung von Norbert Merz wurden auch die Tätigkeiten „professioneller Ausbilder nach Business-Plan“ in der JVA Landsberg angesprochen. Vor– und Nachteile diskutiert. Eine Ausgewogenheit der zeitlichen Aufwendungen mit den bisher tätigen Ehrenamtlichen in Erinnerung gerufen. Diese Aktion ist vom Ministerium initiiert worden. Gewinnung neuer Ehrenamtlicher durch mehr Öffentlichkeit wurde angesprochen. Mein Hinweis: die Generation + 70 zieht sich massiv zurück. Wenn wir heute die Neugewinnung von Ehrenamtlichen nicht angehen, dann haben wir zeitnah ein erhebliches Problem, neue Ehrenamtliche zu stellen. Im Strafvollzugsgesetz sind wir erwähnt und gewollt, also sollte man es angehen. Dazu wurden Ideen notiert, Interview unter der Mitwirkung von Herrn Prof. Dr. Frank Arloth, 1. Vorsitzender des Bay. Landesverbandes Gefangenenfürsorge, vorgeschlagen. Herr Prof. Dr. Arloth signalisierte Zusammenarbeit und ließ ausrichten, er sei immer bereit, bei den Ehrenamtlichen zu helfen. Die Ausarbeitung des BayUVollzG wurde uns vorgelegt, das die erste Lesung gerade passiert hatte. Erfreulich wurden hier auch die Ehrenamtlichen im Gesetzestext verankert, Art. 126 und Art. 127! Außerdem wurden mir, auf meine Bitte, die Verwaltungsvorschriften (VV) für das BayVollzG zugesandt um praxisnah nachlesen zu können. Erinnert wurde von mir noch an den neuen Flyer des Justizministeriums zur Gewinnung neuer Ehrenamtlicher, damit dieser bei der Straubinger Tagung vorliegen kann. Die Straubinger Tagung wurden auch kurz behandelt bei diesem Gespräch, für das ich mich ganz herzlich bei Herrn Ministerialrat Horst Krä nochmals bedanke, sowie bei Norbert Merz, der mit seiner Fachkompetenz etliches wieder einbrachte und auf Schwierigkeiten hingewiesen hat. Herr Ministerialrat Horst Krä bedankte sich bei uns für die Arbeit der Ehrenamtlichen, was wir gerne weitergeben. Er freut sich auf das Gespräch mit uns bei der Straubinger Tagung, bemerkte er abschließend.
Rudolf Repges
Besuch in der JVA Bernau |
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Standpunkte
Was heißt Standpunkt? Heißt es einen Standpunkt haben, einen Standpunkt einnehmen, einen Standpunkt verteidigen? Einen Standpunkt wofür, wozu, welchen, warum, weshalb? Ist das nicht etwas Unveränderliches, nicht Diskutierbares, Felsiges, Zementiertes? Einen Standpunkt zu haben macht mich ausrechenbar. Man kann mich einordnen.
Wo steht die LAG e.V.? |
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Standpunkte im Namen des Volkes
Essay (stark verkürzt) aus der SZ vom 10. 7. 2011 Rückblick des Richters Benno Hurt, jetzt i. R., fragt sich nach 35 Jahren Richteramt, war ich ein guter Richter? Zwei Erlebnisse mit Strafrichterkollegen lassen mich zweifeln, ob ich ein richtiger Richter war. Das erste – ich traf einen Kollegen, wir treffen uns beide im Ruhestand, er sagt zu mir, als wir am Justizgebäude vorbei gingen...nicht einen Gedanken verschwende ich an sie (gemeint waren wohl die Verurteilten). Das zweite – ein Treffen mit einem ehrenwerten Kollegen, der inzwischen zum Vorsitzenden eines Schwurgerichts aufgestiegen ist, er hatte kein Mitgefühl für Täter, die zu langen und gelegentlich lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt wurden, einmal abgeurteilt, seien sie aus seinem Leben gestrichen, so glaube ich habe ich es einmal gelesen. Dass Menschen über Menschen richten, ist gesellschaftlich notwendig und doch nicht selbstverständlich. Konnte ich an dem Haus, wo ich 35 Jahre geurteilt habe, vorbeigehen und nicht doch an die Folgen der Urteile denken? Habe ich dann vor 35 Jahren mich für den falschen Beruf entschieden? Mir stellt sich die Frage nicht nur rhetorisch. Irgendwo bei Hemingway steht sinngemäß, dass man mehr für sein Geld bekommt, wenn es einem gelingt, das Gefühl herauszuhalten. Mir stellt sich dieser Erkenntnis ein Bild in den Weg. Es hatte sich mir an einem Sonntagmorgen, den ich im Gericht verbrachte, geboten. Von meinem Büro aus blickte ich auf das Gefängnis. Vor den vergitterten Fenstern der Justizvollzugsanstalt waren erst seit kurzer Zeit milchglastrübe Scheiben angebracht, um die Blick- und Rufkontakte der Häftlinge mit Angehörigen und Freunden auf der Straße zu unterbinden. Eine Frau schrie: „Wir haben Dich lieb“, Sie und die Kinder blickten zum Fenster hoch und sahen niemanden mehr, sie warteten. Der Mann schrie zurück: „Ich liebe Euch auch!“ – Ich hatte mein Fenster zugemacht und mich geschämt, dass ich zugehört hatte. An diesem Sonntag drang ich dann beim Studium der Akten viel tiefer als an Werktagen in das Leben ein, das sich in ihnen verbarg. Ich nahm mir vor, das, was ich las, nicht nur mit den Augen des Juristen zu sehen. Ähnlich der milchglasgetrübten Scheibe konnten einem Paragrafen die Sicht nach draußen versperren. Doch bleiben wir bei meinem zweiten Erlebnis, bei meinem Kollegen. Seine Entscheidungen hielten der obergerichtlichen Rechtsprechung stand, die ein Richter gerne in seiner periodischen Beurteilung liest. Wie aber halten richterliche Urteile am besten der obergerichtlichen Nachprüfung stand? Indem eine solche nicht stattfindet! Rechtskräftige Urteile werden nicht nachgeprüft. Verzichten Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Angeklagter auf Rechtsmittel oder lassen sie ungenutzt verstreichen, diktiert der Richter auf Band: „Bitte Urteilstenor abschreiben, Anklageschrift übernehmen“ und garniert das Ganze dann noch mit ein paar Fertigsätzen. Solche rechtskräftigen, einer Nachprüfung nicht unterzogenen Urteile lassen sich auch auf anderem Weg, nämlich durch Absprachen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung erzielen. Die Praxis solcher Absprachen gibt es seit langem. Sie hilft einer überlasteten Justiz vor allem in umfangreichen Wirtschaftsstrafverfahren, mit einem immer Mehr an Arbeit fertig zu werden. Gegen diesen Handel gibt es unter Juristen Bedenken. Ja, auch ich habe so „gedealt“ – lässt der Ausdruck auf das schlechte Gewissen der Beteiligten schließen? Ob all meine Prozessabsprachen, an denen ich beteiligt war, die Bezeichnung „sauberer Deal“ verdienten? Ich hoffe es. Mir hat die Staatsanwaltschaft manchmal den Deal verweigert, wo er mir vernünftig erschien. Fast immer handelte es sich dabei um Strafverfahren mit einer „politischen Dimension“. Die Presse schaut auf uns Richter, und wir schauen auf sie. Zeitungen, Gerichtsreporter als natürliche Feinde der Richter, die gut daran tun, ihre Urteile nicht außerhalb des Gerichtssaales zu kommentieren. Schielen wir Richter nicht insgeheim auch auf die oberen Stockwerke der Bürohochhäuser, wo in den Redaktionsstuben in einem außergerichtlichen Parallelverfahren Journalisten über denselben Angeklagten zeitgleich zu Gericht sitzen? Wirken nicht auch diese Journalisten als Richter in unseren Urteilsspruch klammheimlich hinein? Ach ja: Über das Heraushalten von Gefühlen beim Richten wollte ich berichten. In der hiesigen JVA wurde ein Untersuchungshäftling von drei Mithäftlingen über einen langen Zeitraum hinweg gequält, wurde der Geschädigte in die Dusche getragen, ausgezogen, mit kaltem Wasser und Essigreiniger abgespritzt. Er wurde geschlagen und musste seine Peiniger auch noch sexuell befriedigen und wurde anderweitig (weitere Beschreibungen nicht übernommen) missbraucht. Die Akte der drei Peiniger landete auf meinem Tisch. Die Erregung, mit der ich in Vorbereitung auf die Hauptverhandlung in ihr las, unterschied sich wahrscheinlich in nichts von der eines durchschnittlichen Lesers. Ich war bemüht, meine Fassung zu bewahren, die nötige Distanz, die es für ein gerechtes Urteil braucht. Dann, am Tag der Hauptverhandlung, nahm der Zorn, die Erregung, mit der ich den Sitzungssaal betreten hatte, kontinuierlich ab, je länger die Vernehmung dauerte, ein Prozess der mich verunsicherte, mir ein schlechtes Gewissen bereitete. Es war meine richterliche Aufgabe, zu verstehen. Etwas musste passiert sein im Leben dieser Männer, was ihre Straftaten nicht entschuldigte, aber zu ihnen führte. Diesem schrecklichen Etwas war ich auf der Spur. Was, so fragte ich mich in einer Sitzungspause, war mit meinen Gefühlen geschehen? Nicht über das Opfer, sondern über die Täter sitzt man zu Gericht. Wenn man das Gefühl heraushält, mag man mehr für sein Geld bekommen, aber bekommt man ein gescheites Urteil? Übrigens: Meiner Robe im Speicher habe ich eine Folie übergezogen. Eingeschickt von unserem Mitglied Bruni Rollner, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der JVA Bernau sowie in der JVA München-Stadelheim. Verkürzt wiedergegeben sowie Anmerkung von Rudolf Repges, ehrenamtlicher Mitarbeiter in den JVAen Straubing und Bernau: Insbesondere die Staatsanwaltschaften und Richter sollten sich vor voreiligen Medienstatements selber überprüfen, in sich gehen – wie es Benno Hurt gemacht hat. Man sieht an den Verfahren Kachelmann und Strauss-Kahn: richten unter den Augen der Öffentlichkeit ist schwierig geworden. Auch ein Richter darf Zweifel haben, wie er damit umgeht, dies wird er lernen müssen. Dank an die ehrlichen Zeilen, des Richters im Ruhestand, 35 Jahre Richteramt hinterlassen doch Spuren, Standpunkte, wie immer sie gewesen sein wollen! Danke für diesen interessanten Beitrag zum Thema. |
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Rede und Gegenrede |
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Leserbrief zum Artikel
Lieber Alfred, einige Fragen möchte ich gerne aus meiner Sicht beantworten, vielleicht ergibt sich für Dich und andere ehrenamtliche Mitarbeiter dann eine verwertbare Antwort. Dein Brief zeugt von Resignation, Rückzug und Enttäuschung. Die Gründe hast Du ja genannt, welche Dir Deinen Stolz oder Deine Zufriedenheit an unserem Ehrenamt nahmen. Sicherlich hat sich die Betreuung etwas geändert, jedoch nicht so gravierend wie Du beschreibst, denn wir kommen als Mensch zu einem Menschen, der im Gefängnis ist, wir kommen nicht als Sozialtherapeuten oder Psychologen. Dies beinhaltet aber trotzdem, dass ich versuche, seine Fehlstellen aufzuspüren, seine positiven Anlagen zu fördern. Anerkennung für eine gut gelöste Schachaufgabe z. B. oder Gedankenanstöße warum die letzte Entlassung nicht geklappt hat. Schritt für Schritt sich an den Menschen ranwagen dürfen, schön zu erkennen, z. B. dass sich auch sein Schreibstil in bereits wenigen Briefen verändert. Einige Fragen von Dir, hier meine kurzen Antworten darauf: Vorgaben für die Arbeit Ehrenamtlicher? Vorgaben sind mir noch nicht gemacht worden, ich kann meine Tätigkeit im Rahmen der Gegebenheiten für mich und den Klienten so gestalten, wie wir es wollen. Vorgaben entstehen dann bei Beachtung der Gesetze, sowie die verantwortungsvolle Tätigkeit beim Ausgang oder Urlaub. (Gesprächs-)Gruppenarbeit unterscheidet sich maßgeblich von einer Einzelbetreuung. In einer Gruppe kann eine bestimmte Aufgabe natürlich auch vorgegeben sein. Um beim Beispiel Schachgruppe zu bleiben: hier kommt der Ehrenamtliche natürlich mit einer Vorgabe zu dem Thema, und dies ist ja auch so gewollt. Schwierig, neue Ehrenamtliche zu gewinnen und vorhandene zu motivieren! Da hast Du ganz recht, wir sehen ja, die Werbung für Ehrenamtliche muß auch neue Wege gehen, mit noch mehr Einsatz, die Gesellschaft hat sich hier gewaltig geändert. Auch Kommunen kämpfen sehr für wesentlich „einfachere“ ehrenamtliche Tätigkeiten. Uns vorhandene weiter zu motivieren, hier ist auch die Justiz gefragt, Anerkennung zu geben, die Zusammenarbeit mit dem örtlichen Kontaktbeamten trägt maßgeblich dazu bei. Ein regelmäßiger Austausch über den Verlauf und Konflikte sollte hier ohne Einschränkung angesprochen werden. Du wurdest zu einer Entlassung gerufen, wo offenbar nichts geregelt wurde. Hier würde ich gerne erfahren, wo und wann das war. Dass es diese Situationen gibt, dass ist richtig, jedoch sind diese nicht an der Tagesordnung. Aber zweifelsohne gibt es hier Defizite. Darum auch die Vernetzung bei der Entlassvorbereitung, die nicht früh genug beginnen kann. Das sogenannte „Übergangsmanagement“. Hier lege ich als Vorsitzender ganz besonderen Wert darauf, dass diese „runden Tische“ mit Einbeziehung der Ehrenamtlichen auch gelebt werden. Wer macht was, diese Feststellung ist auch im Qualitäts-Handbuch, Standards für die Sozialdienste der Justizvollzugsanstalten dokumentiert. Nach diesem Ordnungsfaden soll künftig vorgegangen werden. Für Deinen Einsatz bei dieser Entlassung danke ich Dir ganz herzlich, ich weiß wie es sich anfühlt, jemand in dieser Situation an der Hand zu haben. Die Entlassprobleme werden immer die gleichen bleiben, egal ob die Entlassung 1977 war oder im Jahre 2011, die Vorbereitung dazu sollte sich ändern zum Positiven. Hier bieten wir unsere Mitarbeit an. Ehrenamtliche müssen die Gefangenen unter ihre „Fittiche“ nehmen. Also müssen tut niemand, sondern wir kommen freiwillig, wenn es jemanden zu viel wird oder er mit der Problemstellung nicht mehr klarkommt, dann sollte man ehrlich zu sich sein und die Aufgabe niederlegen. Dem Klienten sagen, dass es an einem selber liegt, dass es nicht mehr geht, um Verständnis zu wecken und bei der Wahrheit zu bleiben. Für einen bestimmten selbstsicheren Gefangenentyp schreibst Du, dieser kann sich selber helfen, der Ehrenamtliche ist nur Unterhaltungsfaktor und Zeitvertreib – sonst nichts. Dies stelle ich ganz gewaltig in Abrede, werde aber bei meiner nächsten Gesprächsgruppe ehrlich diese Frage stellen, ob die Anwesenden die Moderatoren der Gesprächsgruppe nur als Pausenclowns sehen. Unsere Gefangenen brauchen keine Arbeitskreise und Gesprächsgruppen über den Sinn des Lebens, darüber denke ich auch anders. Antwort kommt!. Sie brauchen einen, der Ihre Sprache spricht....das ist richtig, sie brauchen jemanden, der empathisch mitfühlend antwortet. Teilnimmt, sie wahrnimmt, am eigenen Leben auch teilnehmen lässt. Spüren können, der ist kein „Pausenclown“, der kommt nicht aus Langeweile zu mir, um seine Zeit totzuschlagen. Sehr mitfühlend auch von mir jetzt ausgesprochen, ich brauche dazu aber auch nicht selber mal Gefangener gewesen zu sein. Denn ich muss nicht alles wissen, was hinter den Gittern passiert und abläuft. Das an mich Herangetragene ist für mich ausreichend. Wir sehen die Türe nur einen kleinen Spalt auf, dann nehme ich mich in die Mitte und widme mich meinem Klienten. Sonst würde ich mich verrennen. Seit Beginn meiner Betreuung erkenne ich immer mehr, der Knastaufenthalt hinterlässt beileibe bleibende Spuren bei den Klienten. In verschiedenen Äußerungen, Gefühlen, Ansichten, Meinungen. Um dieses Bild wieder etwas aufzuhellen, vielleicht können wir da behilflich sein bei der Aufarbeitung, die aber noch Jahre nach dem Knast andauern kann. Sind die Ziele zu hoch gesteckt? Bei professionellen Ehrenamtlichen kann das durchaus der Fall sein, wenn man Projekte durchzieht nach Managerausbildung, die Klienten aussucht, welche dafür in Frage kommen und dann am Ende feststellen muss, dass nur 1 – 2 Probanden letztendlich durchgehalten haben. Ob hier die Ziele zu hoch gesteckt waren, weil man sich mit der Realität zu wenig auseinandergesetzt hat? Hier könnte man ja sagen, jedoch der Versuch ist es immer Wert. Der zeitliche und logistische Aufwand in so einer JVA ist zu überprüfen und abzugleichen, wenn ein ehrenamtlicher Betreuer als „Einzelkämpfer“ versucht, etwas zu bewegen. Hier gibt es auch wieder Statistiken und Aufstellungen etc. Bestimmt der Erfolgsdruck meine Arbeit? Hier sind wir persönlich wieder gefragt, wie hoch wir unsere Ziele stecken. Erfolg heißt in dem Fall, mit in die Entlassung zu betreuen und dem Probanden das Ziel aufzuzeigen, dass es auch ohne straffälliges Leben geht. Hier wieder zurückfinden. Die Beispiele und Ansätze haben wir dann ja gebracht, durch muss er letztendlich immer selber. Erfolg ist schön, wenn ich einen Klienten weiter in Freiheit sehe. Misserfolg, wie auch ich ihn schon erlebt habe, wenn man eine gescheiterte Betreuung zu verdauen hat. Jedoch sollte man sich das nicht an den eigenen Leib heften, sondern sagen, ich habe es zumindest versucht und mein Bestes gegeben. Vielleicht klappt es später bei dem Probanden mit jemand anderem. Auf sich selbst besinnen, ja Alfred, da bin ich ganz bei Dir, die Gesellschaft sollte sich wirklich wieder neu besinnen. Auf gemeinnützige Arbeiten, insbesondere die Jugend ist schwer in der heutigen Medienwelt für gemeinnützige Tätigkeiten zu gewinnen. Jeder von uns sollte mal in einer ruhigen Minute in sich gehen und sich auch selber wieder betrachten. Davor scheue auch ich oft zurück, weil man doch immer wieder Unzulänglichkeiten entdeckt. Perfekt ist niemand, das hat aber mit dem Lebensalter nichts zu tun. Junge und alte Menschen sind nie perfekt, das Alter hat den Vorteil, schon einiges hinter sich zu haben, ob es immer gut war? Kaum, Erfahrungen darf man weitergeben, wenn sie angenommen werden, dann könnte es ja was Aufschlußreiches bringen. Bedauerlich ist, dass Du Deine Freude verloren hast an der Tätigkeit, weil aus Deiner Sicht die Veränderungen zu groß sind. Die Welt verändert sich täglich, wir sind mittendrin, so lange wir dürfen. Danke für Deine bisherigen Tätigkeiten und Beiträge, schau mal, vielleicht findest Du doch noch ein paar Sonnenstrahlen in unserer Tätigkeit. Es grüßt Dich herzlich Rudi Repges ehrenamtlicher Mitarbeiter JVA Straubing und JVA Bernau |
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Bastelausstellung in Straubing
Ein Feuerwerk der Mitarbeiter-Werbung Straubing braucht zusätzliche Ehrenamtliche Seit Rudolf Repges der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter im Strafvollzug weiß, dass ca. 40 Gefangene ganz dringend auf Ehrenamtliche warten, ist er mit Herzblut und aufopfernden Engagement dabei, Bürgerinnen und Bürger für dieses anspruchsvolle Ehrenamt zu begeistern und zu gewinnen. Es wurden Flyer entworfen, Plakate gestaltet und die Homepage aufgemotzt, um auf dem Stand der JVA im Salzstadel anlässlich des Gäubodenfestes in die erste Stufe des Werbefeldzuges einzusteigen. Daran schlossen sich Anzeigen in den Wochenendausgaben im gesamten Ausgabenbereich der Straubinger Zeitung an, die durch gut getextete und informative Artikel ergänzt wurden. Den Höhepunkt erreicht die Werbekampagne mit einem Stand bei der Bastelausstellung 2011 in der Turnhalle der JVA am Südtor. Das erste Mal in der Geschichte der Bastelausstellung und der LAG wurde im Rahmen dieses herbstlichen Events ein Stand für die Werbung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgebaut. An drei Tagen stand Rudolf Repges begleitet von Horst Münzer, Gerhard Burger und Günther Minten dem interessierten Publikum Rede und Antwort. Und es war keine verlorene Zeit. „Wir führten“, so Rudolf Repges, „ca. 70 Gespräche, mit Besucherinnen und Besuchern, die zwangsläufig auch an unserem Stand vorbei mussten. Das Interesse an einer ehrenamtlichen Betätigung im Strafvollzug, aber auch mangelnde Information sorgten für einen immer vollen Stand. Erfreulich und motivierend sind die 21 Personen, die sich in die aufliegende Liste mit Adresse einschrieben und versicherten, zum Infoabend im Gäubodenhof wieder da zu sein. Eine besondere Anerkennung erfuhren die Akteure dieses Engagements und dieser Werbeaktion durch Prof. Dr. Frank Arloth und durch den Leitenden Regierungsdirektor und Leiter der JVA Straubing, Matthias Konopka. Beide betonten in ihren Eröffnungsreden nicht nur die Wichtigkeit des ehrenamtlichen Mitwirkens, sondern wiesen die Besucher ganz ausdrücklich auf den Stand der LAG hin. Am Ende des dritten Tages gefragt, stellte Rudolf Repges fest: „Etwas müde, aber glücklich ob des großen Zuspruchs!“ Und dann bedankte er sich für gute Zusammenarbeit und die tolle Unterstützung durch die Bediensteten, den Ausstellungsleiter und Lehrer Hans-Peter Schreyer sowie Frank Kagerbauer, Sozialarbeiter in der JVA und Kontaktbeamter für Ehrenamtliche. Eine gelungene, nachahmenswerte Werbekampagne, die in einem Infoabend sowie Grundkurs bis Mitte November mündet. Der neue Vorstand hat seine Feuertaufe bestanden. Herzlichen Glückwunsch! Norbert Merz |
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Info-Abend in Straubing
Etwas angespannt, ob denn wohl alle Angeschriebenen die Einladung nicht nur annehmen, sondern auch ihr folgen würden, konnte dann Rudolf Repges assistiert vom Seelsorger der JVA, Pfarrer Lippe, Heidi Lechner, Günther Minten und Norbert Merz sechzehn interessierte Frauen und Männer begrüßen. Schnell war der Bann gebrochen und es wurde rege gefragt. Fragen bzw. Diskussionspunkte waren: Braucht man für die Gespräche im Rahme der Besuche eine besondere Ausbildung? Wer sucht die Gefangenen für eine Betreuung aus? Wie ist das mit Du und Sie? Soll ich meine private Adresse preisgeben? Gibt es eine Aufwandsentschädigung? Mit welchen Delikten kann ich konfrontiert werden? Habe ich die Chance, aus meiner Betreuung, wenn es denn nicht klappt, wieder auszusteigen? Was heißt überwachter Besuch? Welche Kontrollen muss ich an der Torwache über mich ergehen lassen? Es waren alles ganz normale Fragen, die jeder von uns hat, befasst er sich mit einer neue Aufgabe. Und so war es dann auch folgerichtig, dass immer wieder auf das Grundseminar am 13. November verwiesen wurde. Die Rückmeldungen und Zusagen, die an diesem Abend und auch per Mail eingegangen waren, lassen den Schluss zu, dass wir das Grundseminar mit wenigstens 25 Teilnehmern durchführen werden. Aus einem Nebensatz könnte man schließen, dass Rudolf Repges nicht nur allen die sich bisher gemeldet hatten, mit persönlichem Schreiben eingeladen hatte, sondern bei vielen, die noch unschlüssig waren, telefonisch nachgehakt hat. Der Einsatz und der Erfolg gibt unserem Vorsitzenden Recht. Glückwunsch auch zu diesem gelungenen Auftritt. Über das Grundseminar werden Sie in der nächsten Ausgabe der LAG-Info ausführlich informiert werden. Norbert Merz |
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Grundseminar
Grüß Gott Herr Repges, als Seminarteilehmer möchte ich Ihnen allen ein Kompliment machen, auf das erste Mal haben Sie die Themen sauber aufbereitet und rübergebracht. A´bisser´l vui af aomoi, aber wichtig! Ich habe mich auch, nach einmal schlafen, dazu entschieden mitzumachen bei Ihnen als ehrenamtlicher Betreuer im Strafvollzug; wenn Sie mich brauchen können. Bitte denken Sie an die Infoführung, mir wäre die wichtig um so ein bisschen Bauchgefühl für die Justizvollzugsanstalt zu bekommen. Ich freue mich auf diese Ehrenamt und grüße Sie ganz herzlich aus Straubing Ludwig Santl |
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Straubinger Tagung
Tagung für ehrenamtliche Mitarbeiter und Betreuer der ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Justizvollzugsanstalten vom 23. bis 25. September 2011 an der Bayerischen Justizvollzugsschule in Straubing Tagungsleitung: Oberamtsrat Herbert Meißner, Bayerische Justizvollzugsschule Straubing, Peter Möller, LAG e.V. München Referentinnen/Referenten: Regierungsdirektor Horst Krä, Bayerisches Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz München Regierungsrat Dr. phil. Johannes Lohner, Justizvollzugsanstalt München Dr. Erna Loncarek, Dozentin an der Uni Regensburg Die Tagung war von der Konzeption dreigeteilt: Information von Fachleuten zum Thema: “Persönlichkeitsstörung, Auffälligkeiten”. Themenbezogene Arbeitsgruppen. Aussprache und Information aus erster Hand vom Ministerium.
Das Programm:
Arbeitsgruppe:
Am Sonntagmorgen hatten die Arbeitsgruppen dann die Möglichkeiten, die Ergebnisse zu präsentieren. Bereits zu dieser Runde war Herr Krä aus München angereist.
Anmerkungen zur Tagung aus der Sicht unseres Vorstandes:
Eine sehr gelungene Veranstaltung ging am 25. September 2011 in der JVS Straubing zu Ende. 80 ehrenamtliche Mitarbeiter aus ganz Bayern nahmen daran teil. Es entwickelte sich über die 3 Tage ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl, es stärkt uns „Einzelkämpfer“, weil jeder der Teilnehmer gemerkt hat, er ist nicht allein. |
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16 28 meint
Nochmals „Erlangen“ oder eben nicht „Erlangen“. Die Leserbriefe „Hallo 1628“ von Norbert Merz und „Sehr geehrter 1628“ von „Barbara“, beide zum Thema „Erlangen“ in LAG Info 76/22 habe ich mit einiger Verwunderung gelesen. Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Mit meinem Beitrag über „Erlangen“ wollte ich auf keinen Fall die oberen Autoritäten der ehrenamtlichen Betreuungsarbeit in ihrer Ruhe und Erhabenheit stören, aber genau diese selbstgefällige Art der Darstellung in diesen Zuschriften ist auch manchen „Einrichtungen“ eigen. Ja, warum soll ich ausgerechnet über Erlangen nicht schreiben? Wo ist der Grund? Und überhaupt: Wie dumm von mir, eine andere, ja sogar eine eigene Meinung zu haben! Natürlich „Maße ich mir an“, nach 7 1/2 Jahren Haft, über den Strafvollzug in Bayern und genauso über Teile von diesem zu berichten, wenn ich die Gelegenheit und einen Anlass dazu habe. Ehrenamtliche Mitarbeiter im Strafvollzug begleiten ihre Schützlinge ja nicht bei irgendeinem kurzweiligen Bühnenstück oder Freizeitvergnügen. Die Freiheitsstrafe, die in einer JVA vollzogen wird, ist die höchste Sanktion, die der Staat durch Urteil über seine Bürger verhängen kann. Für diese Veranstaltung wird sogar, unter anderem, das Grundrecht auf Leben eingeschränkt. Meine Eingabe beim Bundesverfassungsgericht gegen diesen Passus hatte leider keinen Erfolg (Aktenz.: AR 2843/08). Als Gefangener war ich dabei, als einige Meter von mir entfernt, bei Arbeiten auf dem Feld, die Flucht eines Mitgefangenen mittels Schusswaffe (Gewehr) verhindert werden sollte. Gott sei Dank hat der Beamte nicht gezielt geschossen – dafür bin ich ihm auf ewig dankbar. Die Tatsache aber, dass die Flucht mit dem Tode des Gefangenen enden kann, ist bestimmt nicht Anlass und Auslöser einer Freundschaft zwischen JVA-Personal und Gefangenen. So was muss man auch erst mal verarbeiten und verkraften können. Die Flucht ist laut Gesetz keine Straftat, aber die Beamten dürfen schießen. Die Flucht allein wird ja auch „nur“ mit einer Hausstrafe geahndet – wenn‘s einer überlebt. Und von „Heiler Welt“ in den JVAs kann man bestimmt auch nicht reden, Missstände und Vorkomm-nisse stehen jede Woche in der Zeitung. Vor diesem Hintergrund nun von „Anmaßung“ und „ … mir wurde berichtet, ich habe gehört …“ zu sprechen, läuft an der Sache doch total vorbei. Überspitzter und zugleich banaler geht es wohl nicht mehr, oder?! Den Strafvollzug habe ich nicht nur erlebt, ich war ihm ausgeliefert, auf Gedeih oder Verderben. Mit offenen Augen und Ohren verbüßte ich meine Strafe, auf dass mir auch nichts entgehe. Da ist bestimmt nichts vom „Hörensagen“ dabei, erlebt ist erlebt. Ist eine Erinnerung etwas verblasst, so hilft mir mein Tagebuch von „damals“ weiter. Ich weiß also immer noch, wovon ich schreibe!! Wer durch meine Zeilen zum Zweifeln an seiner bisherigen Betreuungsarbeit angeregt wird, sollte seine Motivation für diese Aufgabe aufs Neue gründlichste hinterfragen, denn das Gegenteil soll der Fall sein. Manchmal habe ich den Eindruck, dass einige Ehrenamtliche überhaupt nicht wissen, nicht nachfühlen können, was eine langjährige Haftstrafe für einen Menschen bedeutet, ja sich nicht mal mit dem Menschen in Haft eingehend beschäftig haben. Ist es denn so schwer zu begreifen, dass Gefangene, die noch Jahre verbüßen müssen, sich an jeden Strohhalm klammern, nur um einige Tage – Wochen – Monate früher aus der Haft entlassen zu werden? Auch wenn die Angebote, die Maßnahmen genau so sinnlos sind wie ihre Straftaten, melden sie sich für da und dort, nur des vermeintlichen Vorteils wegen. Erlangen ist eines dieser Angebote. Die Denkweisen eines Häftlings können manchmal als recht verworren angesehen werden, für den Gefangenen, aber auch für mich, sind sie durchaus logisch: Die Freiheit ist das oberste Ziel! Sonst nichts! In meinem Vortrag „Erleben der Haft“, den ich zig-mal bei den Grundkursen der LAG und anderen Vereinigungen halten konnte, den „Barbara“ wohl nie gehört hat und auf den die LAG-Führung aber nun meint verzichten zu müssen, habe ich versucht, den neuen angehenden Ehrenamtlichen den Gefangenen als Mensch – nicht als Straftäter – näherzubringen. Ist es möglich, dass so mancher Betreuer das eigene Befinden höher ansetzt als die Sorge um den Gefangenen? Hat sich bei manchen die „Betreuungsarbeit“ verselbstständigt? Das bezieht sich natürlich nicht auf Norbert Merz und „Barbara“. Die Gesellschaft, das Ministerium, das Gericht, die JVA, der Beamte, der Ehrenamtliche, alles unabdingbar notwendiges Beiwerk. Der gefangene Mensch aber war und ist meine Aufgabe, meine Arbeit, die ich zu erledigen habe und zwar so, dass er es nach der Entlassung „schaffen“ wird, genau so, wie ich es „geschafft“ habe. Wenn auch meine Erlebnisse nun doch schon „einige“ Jahre alt sind, so sind die Probleme der Gefangenen aber immer noch die gleichen, gerade bei der Entlassung aus der Haft. Was das nun mit „Erlangen“ zu tun hat? Eben, nichts! Das ist ja der Punkt, auf den ich hinweisen wollte. Nochmals im Klartext: Ich meine, die Idee „Erlangen“, eine sozialtherapeutische Anstalt, ist tot. Schönreden lohnt nicht mehr, der ganze Apparat ist viel zu aufgebläht, das Ziel für einen „normalen“ Gefangenen kaum erkennbar und nicht nur für ihn, die Kosten nicht gerechtfertigt. Kleineren Einheiten (Abteilungen) davon in den einzelnen JVAs gehört die Zukunft. (Eine Anstalt für Sicherungsverwahrte kann ich mir in Erlangen jedoch gut vorstellen.)  Für eine erfolgreiche Betreuungsarbeit ist es aber eben unerheblich, in welcher JVA sich der Gefangene zur Zeit aufhält, ob in Erlangen oder Augsburg oder Kaisheim, unsere Leute, Gefangene wie auch Ehrenamtliche, finden wir überall dort, wo eine Freiheitsstrafe vollzogen wird, ein, zwei Sozialarbeiter sind natürlich ein „Muss“ bei diesem Vorhaben! Verehrte Leser, fragt bei Fachleuten oder sonstwo nach und entscheidet dann selber, ob Pro-Erlanger oder 16 28 richtig liegen, gelegen haben. Ich bin sicher, ich schneide da nicht schlecht ab. Noch ein Wort zu 16 28: Als 16 28 (eine/meine Gefangenenbuchnummer aus Bernau/Obb.) schreibe ich Beiträge für die LAG-Info, „aus Sicht eines Ehemaligen“. Die Aussagen müssen nicht immer richtig oder falsch sein, sie sind lediglich meine Meinung, sonst nichts – natürlich mit einigem, meinem Hintergrundwissen. Ich schreibe es so, wie ich es mir denke, wie ich es sehe, auch manchmal noch mit Gittern im Hinterkopf, das werde ich nie mehr ablegen können – man möge es mir nachsehen. Hätten wir alle die gleiche Meinung, so brauchte ich ja auch nicht aus meiner Sicht zu schreiben. Ich möchte aber, dass Sie, lieber Leser, sich ein kleinwenig in den Gefangenen hineindenken, um seine Gedanken ernst zu nehmen und verstehen zu können – auch wenn Sie sie nicht für richtig halten. Aber eben daraus erwächst Vertrauen und auch der Erfolg für beide Seiten. Und nun noch eines: Liebe Ehrenamtliche, verzeihen Sie mir, dass nicht Sie das Ziel bei all dieser meiner Arbeit in der LAG sind. Ich möchte durch Sie die Gefangenen in den JVAs erreichen, denen will ich helfen, sie, die Gefangenen, sollen die besten Voraussetzungen durch Sie bekommen, um auch nach der Entlassung ein menschenwürdiges Leben zu führen – ohne Straftaten, ohne Haft aber mit viel Zuversicht, so wie es mir mit der Hilfe anderer, Ehrenamtlicher und Hauptamtlicher, vergönnt war und ist. Die „LAG“ als Zusammenschluss aller helfenden Hände im Strafvollzug, so wollte ich die LAG bei ihrer Gründung verstanden wissen, und nicht nur ich. Ist dieser Weg noch unser Weg? Bis „Irgendwann, Irgendwo“, Ihr 16 28. PS: Nachdem zwischen, beziehungsweise in der Vereinsführung und mir, keine Übereinstimmung über meine weitere Mitarbeit in der Vereinsarbeit besteht, lege ich als „16 28“ bis auf weiteres eine Pause ein, um meine Haltung und mein Tun zu überprüfen, auch, ob meine Mitarbeit weiterhin noch sinnvoll ist. Mit meiner Meinung halte ich nicht hinter dem Berg, auch nicht gegenüber der „Obrigkeit“. Um die Lage der Gefangenen zu verbessern, arbeite ich gerne mit der Justiz zusammen. Ich arbeite aber nicht ausschließlich für die Justiz. Ist meine Einstellung noch gefragt? Ich danke allen Lesern für ihr Wohlwollen, ich danke auch allen Leserbriefschreibern – ob nun zustimmend, ablehnend oder kritisch. Ich habe gerne für Sie geschrieben. |
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Bemerkenswert
Pressemitteilung vom 28. 7. 2011 Motto „Lebenslanges Lernen“
Verbraucherschutzministerin Dr. Beate Merk startet unter dem Motto „Lebenslanges Lernen“ gemeinsam mit dem Bayerischen Volkshochschulverband eine bayernweite Initiative für mehr Finanz-, Internet- und Datenbildung.
... und ich wünsche mir, dass alle Bürgerinnen und Bürgern in dieses Vorhaben eingebunden werden. So zum Beispiel auch die weiblichen und männlichen Strafgefangenen der bayerischen Justizvollzugsanstalten.
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Straubing
20 Jahre Bibelgruppe
20 Jahre Bibelgruppe in der JVA Straubing
Begonnen hat mein Kontakt zu Gefangenen vor etwa 25 Jahren in der JVA Ebrach. Bruder Michael von unserer Gemeinschaft, der Christusbruderschaft in Falkenstein, wurde von einem Beamten dort eingeladen, drei Bibelabende für die jungen Gefangenen zu halten. Daraus entwickelte sich eine monatliche Bibelstunde. Einige der Teilnehmer wurden dann in den Erwachsenenvollzug nach Straubing verlegt. Diese haben dann schriftlich mit uns Kontakt aufgenommen und gefragt, ob wir nicht auch in der JVA Straubing eine solche Bibelstunde halten könnten. Zu der Zeit hatten wir noch keinerlei Kontakt in die Anstalt und konnten uns nicht vorstellen, wie das zu verwirklichen sei. Gerade dann lernten wir Herbert Ruß, einen Beamten von dort, kennen. Bei ihm haben wir angefragt, ob er es sich vorstellen könnte, dass wir in Straubing Zugang bekommen, um eine Bibelgruppe zu halten. Er meinte, dass wir da wohl kaum einen Chance hätten, aber fragen kostet ja nichts. Bruder Timotheus
5. 9. 2011
Am 5. 9. 2011 fand im Hotel Gäubodenhof unter Leitung von Horst Münzer der vierteljährliche Treff der Ehrenamtlichen der JVA Straubing statt. In einer diesmal besonders interessanten Runde mit vielen Themen und auch neuen Fragen, welche uns Herr Frank Kagerbauer, Kontaktbeamter der JVA Straubing beantworten konnte, insbesondere wurde auch die Führungsaufsicht erklärt. Die Runde wurde durch den Besuch von Herrn Norbert Merz aus Erlangen bereichert. Thema, neue Betreuung, Vielseitigkeit der Anforderungen, Ausgänge, Urlaub und auftretende Probleme konnten gemeinsam besprochen werden. Sehr erfreulich diesmal, 20 Jahre Bibelgruppe durch Bruder Timotheus, dies war eine Würdigung wert. Bruder Timotheus berichtete auch mit viel Herzblut über die Gruppe, wobei er auch erwähnte, selber lerne er auch immer wieder viel dazu. Bruder Timotheus nahm die Glückwünsche bescheiden entgegen, freute sich aber doch sehr über das kleine Präsent. Wir wünschen ihm weitere 20 Jahre an Beständigkeit, Freude und Erfüllung an dem wertvollen Dienst. – Siehe auch eigener Bericht, über die Geburtsstunde dieser Gruppe. - Danke für diesen ehrenamtlichen Dienst für die Gefangenen. Außerdem wurde von Frau Seemann-Kaane eine Arbeitsgruppe über ein Konzept Standdienst, Gewinnung neuer Ehrenamtlicher angeregt. Anbei ein kleiner Fotoeinblick der gelungenen Zusammenkunft.
Bericht und Fotos: Rudolf Repges
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Ebrach
Am Mittwoch, 26. 10. 2011 startete Ernst Knoll mit zwei Gruppen die nächste PC-Kurs-Ära in Ebrach. Für wenigstens zehn junge Strafgefangenen heißt es dann eine Bewerbungsmappe mit Open-Office am PC zu erstellen. Unterstützt wird dieses ehrenamtliche Projekt durch die Herren Harald Hochweber, Regierungsdirektor, und Jörg Hinney, Lehrer. Im LAG-Info 78 wird Ernst Knoll, der u.a. in der JVA Erlangen Schach anbietet, in einem Steckbrief vorgestellt. Viel Erfolg bei den Jungs in Ebrach. Norbert Merz
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Kaisheim
In der JVA Kaisheim wurde ich anlässlich meines Besuches angesprochen, ob wir eine Möglichkeit sehen, einen PC - Kurs für Gefangene zu organisieren. Dabei wurde mir ein großen Handlungsspielraum eingeräumt. Wir, die LAG, werden uns auf den Weg machen, um kompetenten Fachleute aus der Industrie, aus dem Beriech der Schulen oder des Privatbereich ausfindig zu machen. Ehe jedoch die so gewonnenen Bürger zu einem sogenannten Ehrenamt bereits sind, muss der Umfang der Maßnahme, die Auflagen für eine Mitarbeit in der JVA, das Programm, der Zugang, die Aufwendungsentschädigung etc. eindeutig vorgeklärt sein. Wie der Anstaltsleiter über die Lehrerin mitteilen ließ, stehen sofort acht nutzbare PC zur Verfügung. Wir werden, wenn die Details geklärt sind, Kontakt zu kompetenten, erfahrenen PC-Trainern aus der Region Donauwörth aufnehmen. Diese berechtigte Forderung nach einer konsequenten PC-Ausbildung wurde auch in der Gefangenenzeitschrift der JVA aufgegriffen. Diverse Kontakte zu den Schulen, aber auch zum Mittelstand lassen hoffen, dass wir mit der JVA zusammen schnellstens eine brauchbare Lösung anbieten können. Rudolf Repges
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